ABOUT

Adriano Mannino

Angenommen, wir spazieren mit $500 in der Tasche an einem Teich vorbei, in dem ein Kind ertrinkt. Waten wir in den Teich, um das Kind zu retten, und opfern das Geld? Mit dem Urteil, dass die Rettung eines Lebens wichtiger ist als 500 Luxusdollar: Ja. – Worin besteht dann der Unterschied dazu, die $500 auf unserem Konto (nicht) an nachweislich lebensrettende Organisationen zu spenden?

Massentötungen von Hunden zum (Gaumen-)Vergnügen lehnen wir ab. Schweine sind mindestens so intelligent wie Hunde: Sie hören auf ihre Namen, lernen mehr Kommandos und können mit Spiegeln umgehen. Sie sind auch intelligenter als manche Menschen. – Worin besteht der Unterschied hier? (SRF-Dok mit Sentience Politics dazu!)

Das sind Beispiele entscheidender Fragen – Fragen, deren Antworten unsere Entscheidungen und die Richtung, die unser Leben individuell und gesellschaftlich nimmt, massiv beeinflusst. Wir können uns ihnen nicht entziehen – man kann nicht nicht-entscheiden –, und sie falsch zu beantworten, könnte fatale Folgen haben. Deshalb ist kritisches, evidenzbasiertes Denken unerlässlich. Entscheidende Fragen in diesem Sinne leiten meine Arbeit in der akademischen Ethik, als Autor sowie als Mitgründer und Co-Präsident von NGOs, insbesondere der Stiftung für Effektiven Altruismus (EAS). Sie haben mein Leben tief geprägt.

ORGANISATIONEN

eaf logo 2

Präsident
Die Stiftung für Effektiven Altruismus (EAS) ist bestrebt, ethische Fragen unserer Zeit wissenschaftlich fundiert anzugehen. Die Resultate macht sie im Rahmen von Diskussionspapieren der Politik zugänglich und für die Projektarbeit fruchtbar. Sie bietet zudem Spenden- und Berufswahlberatung an.

Der Effektive Altruismus (EA) stellt das Leitkonzept der Stiftung dar: Unsere Ressourcen – Zeit und Geld – sind limitiert. Wie können wir sie so einsetzen, dass das meiste Leid verhindert und die meisten Leben gerettet werden? Und welche rationalen Gründe sprechen überhaupt dafür, Ressourcen in eine nachhaltig-effektive Leidminderung zu investieren? Diesen Fragen gehen wir aus philosophischer, ökonomischer sowie kognitions- und sozialpsychologischer Sicht nach.

Der Hauptfokus unserer Projekte und Diskussionspapiere liegt aktuell auf den folgenden Bereichen:

  • Evidenzbasierte, kosteneffektive Armutsbekämpfung
  • Reduktion des Tierleids insbesondere aus der Massentierhaltung
  • Chancen und Risiken von Zukunftstechnologien
  • Förderung des effektiven Altruismus im deutschsprachigen Raum

Das Wirtschaftsmagazin ECO des schweizerischen Fernsehens hat neulich über den Effektiven Altruismus berichtet und u.a. an unserer EA-Konferenz an der Universität Basel gefilmt:

Deutsche Untertitel können in der Menüleiste bei “UT” eingestellt werden.

Die EAS führt außerdem das EAS-Netzwerk. Das EAS-Netzwerk ist ein Zusammenschluss und eine Plattform von und für Personen, die sich dafür interessieren, die Welt so effektiv wie möglich zu verbessern. Wir nutzen evidenzbasierte Ansätze, um mehr darüber herauszufinden, welche Strategien am vielversprechendsten sind. Den Fokus bildet das vergleichsweise vernachlässigte Thema der ethischen Karrierewahl: Was sollen wir mit unseren 80’000 Stunden tun, um den meisten empfindungsfähigen Wesen zu helfen, denen andernfalls nicht geholfen worden wäre (kontrafaktisches Denken)? Es zeigt sich zum Beispiel, dass ÄrztInnen vielleicht kaum Leben retten (die andernfalls nicht gerettet worden wären), während BankerInnen insgesamt hunderte oder sogar tausende von Leben retten könnten – je nachdem, wie sie ihr Einkommen ausgeben. Das EAS-Netzwerk unterstützt die Bewegung effektiver AltruistInnen und bietet eine Plattform zum Austausch und – wichtiger – zur Kritik, d.h. Verbesserung von Ideen und individuellen Berufsplänen.

reg logo

Mitgründer und Vorstandsvorsitzender
Raising for Effective Giving (REG) ist ein Meta-Hilfswerk, das Poker-Profis vereint, die ihren (positiven) Impact auf die Welt maximieren wollen, indem sie einen substantiellen Teil ihrer Gewinne an die effektivsten Hilfsorganisationen spenden. “Kosteneffektiv spenden” bedeutet, wissenschaftliche Erkenntnisse und rationale Entscheidungsfindung zu nutzen, um diejenigen Projekte zu finden, von denen erwartet werden kann, dass sie der größten Zahl von Menschen am umfassendsten helfen. Die gesundheitsökonomische Forschung hat gezeigt, dass sich der direkte Impact von Hilfsorganisationen um einen Faktor 100 oder gar 1000 unterscheiden kann. Das Ziel von REG besteht darin, die Idee des effektiven Spendens in der Poker-Community und darüber hinaus zu fördern. Viele Poker-SpielerInnen erkennen, dass sich die Rationalitäts-Skills, die beim Pokern zur Maximierung des erwarteten Spielerfolgs erforderlich sind, auf die Maximierung des erwarteten Impacts von altruistischen Spenden übertragen lassen – ein Imperativ, der aus der ethischen Prämisse folgt, dass jedes Menschenleben gleich viel zählt.

sentience logo

Präsident
Das Projekt Sentience Politics (Sentience) ist bestrebt, Politik für alle empfindungsfähigen Wesen zu machen. “Sentience” bezeichnet die Fähigkeit, über bewusste Erlebnisse und Gefühle zu verfügen, insbesondere Empfindungen von Schmerz und Glück, Leid und Freude. Neben Menschen besitzen auch viele nicht-menschliche Tiere diese Fähigkeit. Sie begründet wesentlich, weshalb wir von gesetzlich verankerten Rechten profitieren und in ihrer Abwesenheit geschädigt werden. Die Empfindungsfähigkeit eint auch alle Menschen, was zum Beispiel für höhere kognitive Fähigkeiten nicht gilt, mit denen sich Grundrechte daher nicht robust begründen lassen. Sentience bzw. Empfindungsfähigkeit ist politisch folglich hochrelevant. Das Hauptziel von Sentience Politics ist es, Entscheidungsarchitekturen und Strukturen zu verändern, die vergleichsweise riesiges unnötiges Leid erzeugen. Weil die “Nutztier”-Industrie jährlich mehr als 50 Milliarden Landtiere einsperrt und tötet (= wöchentlich eine Milliarde), ist sie die vielleicht größte Leidquelle unseres Planeten, die leicht zu beseitigen ist. Zudem trägt sie als eine der Hauptursachen des Klimawandels zu globaler Instabilität bei, hängt mit dem Welthunger und Problemen in der öffentlichen Gesundheit zusammen. Eine rationale Politik priorisiert Maßnahmen, die auf einen Schlag in möglichst vielen Bereichen (letztlich: für möglichst viele empfindungsfähige Wesen) Probleme löst, und sie zieht tendenziell Massnahmen vor, die vergleichsweise vernachlässigt werden (aufgrund des abnehmenden Grenznutzens politischer Ressourcen). Derzeit lancieren wir in der direkten Demokratie der Schweiz politische Initiativen für mehr pflanzliche Ernährungsoptionen in öffentlichen Kantinen und sind dabei bestrebt, den gesellschaftlichen Diskurs über Tierrechte, ökologische Ressourceneffizienz und rationale Politik bestmöglich zu fördern. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Förderung des “effektiven Spendens”, dessen ethische Bedeutung systematisch unterschätzt wird.

fri logo

Geschäftsleiter
Das Foundational Research Institute (FRI) ist eine internationale Gruppe von WissenschaftlerInnen, die darüber forschen, wie Gewalt und Leid in der (fernen) Zukunft der Menschheit bestmöglich reduziert werden könnten. Nick Beckstead hat in seiner Dissertation begründet, warum die ferne Zukunft vermutlich überwiegendes ethisches Gewicht hat: Alleine aufgrund der Generationenfolge wird die überwiegende Mehrheit aller Individuen, deren Leben von unseren heutigen Entscheidungen beeinflusst wird, in Zukunft existieren. Falls zudem künstliche Intelligenz und künstliches Bewusstsein entstehen und der Weltraum kolonisiert wird, könnte das künftige Leid astronomische Dimensionen annehmen. Die Gruppe hat sich 2013 formiert und verknüpft Expertisen in Disziplinen wie der Mathematik, der Neuro- und Computerwissenschaft, der Wirtschaftswissenschaft, den internationalen Beziehungen, der Psychologie und der Philosophie. Das Ziel besteht darin, nach Erkenntnissen darüber zu forschen, wie wir versuchen können, die Weichen für die ferne Zukunft richtig zu stellen. Dafür wollen wir direkt ForscherInnen anstellen und mit externen AkademikerInnen koordinieren.

 
 

Geplante EAS-Projekte

 

POVERTY INITIATIVE: www.poverty-initiative.ch

Angesichts dessen, dass wir die reichste Generation sind, die je einen Fuß auf die Erde gesetzt hat und dass gleichzeitig immer noch etwa eine Milliarde Menschen in absoluter Armut leben und an permanenter Unterernährung leiden, sprechen starke Argumente für folgende politische Prioritäten: 1) Erhöhung der Entwicklungshilfe von sehr tiefen 0.5% des BIP auf mindestens 2% (UNO-Mindestziel: 0.7%), 2) Ausrichtung der Entwicklungshilfe auf (durch RCTs erforschte) kosteneffektive Interventionen und 3) Reduktion unhaltbarer Steuerpraktiken ‒ sie entziehen armen Ländern womöglich mehr Geld als sie Entwicklungshilfe erhalten.

 

COMPASSIONATE BIOETHICS: www.compassionate-bioethics.org

Dieses Projekt hat das Ziel, die öffentliche Diskussion über bioethische Fragen voranzubringen. Bei diesen Fragen steht viel unnötiges Leid auf dem Spiel, was sie zu einer Möglichkeit für ethischen Impact macht und ihre politische Priorität bekräftigt. Beispiele sind die Debatten um die embryonale Stammzellenforschung, Präimplantationsdiagnostik, Klonen, Organspende, das Recht auf Sterbehilfe, Tierversuche und ihre Alternativen, psychoaktive Drogen, physische und mentale Enhancement-Technologien sowie Cyborgs (die bereits existieren) und ihre Rechte.

 

RATIONALITY PROJECT: www.rationality.ch

Dieses Projekt strebt die Verbesserung unserer Fähigkeit an ‒ und insbesondere diejenige zukünftiger gesellschaftlicher EntscheidungsträgerInnen ‒, Ziele zu wählen und zu erreichen, d.h. all die kognitiven Biases zu vermeiden, die tendenziell unser Entscheidungsverhalten beeinträchtigen. Mögliche Instrumente dafür: Allgemeine Rationality-Workshops; Workshops für AnwältInnen, ÄrztInnen, ManangerInnen und UnternehmerInnen; die Ausarbeitung von Schul- und Universitätslehrplänen, Hochschulgruppen an diversen Universitäten.

 

SUPERINTELLIGENCE: www.superintelligence.ch

In jüngster Zeit sind eine Reihe von Publikationen über die Möglichkeit einer der menschlichen massiv überlegenen künstlichen Intelligenz erschienen. Mit seinem Buch “Superintelligence: Paths, Dangers, Strategies” hat Nick Bostrom, Leiter des Future of Humanity Institute der Universität Oxford, die Basis für die weitere Erforschung und strategische Erörterung des Themas gelegt. In Stuart Armstrongs Worten: “Was geschieht, wenn Maschinen klüger als Menschen werden? Vergiss schwerfällige Terminator. Was eine künstliche Intelligenz (AI) so mächtig macht, ist nicht ihre physische Kraft oder ihre Laser-Pistolen, sondern ihre Intelligenz. Menschen steuern die Zukunft nicht, weil sie die Stärksten oder die Schnellsten, sondern weil sie die Klügsten sind. Wenn Maschinen klüger als wir werden, übergeben wir ihnen das Steuerrad. Welche Versprechen machen diese Maschinen und welche Gefahren stellen sie dar? Können wir AIs so erzeugen, dass die Zukunft nach unseren Bedürfnissen gestalten? Welche Ziele sollen wir in sie hineinprogrammieren?” Superintelligenz könnte die Erfindung mit dem größten Impact auf die (ferne) Zukunft sein und deshalb höchste politische Priorität beanspruchen.

 

GLOBAL COOPERATION: www.global-cooperation.ch

Dieses Projekt hat das Ziel, das Bewusstsein darüber zu erhöhen, welche ethische Bedeutung die internationale Politik relativ zur nationalen hat. Die überwältigende Priorität letzterer scheint breit akzeptiert, ist aber kaum zu rechtfertigen aus einer nicht-nationalistischen ethischen Perspektive. Stabile und kooperative internationale politische Institutionen sind entscheidend für das Wohl sowohl der heutigen wie der kommenden Generationen. Die spieltheoretischen Vorteile von Kompromissen sollten erkannt und realisiert, ein gefährliches Wettrüsten vermieden werden – insbesondere im Bereich der entstehenden und zerstörerischen Bio-, Nano- und AI-Technologien.

ARTIKEL

Effektiver Altruismus

 

Tierrechte

 

Rationalität und weitere Themen

Weitere Texte finden sich hier in Englisch